Riva del Garda per Radweg - Bloggerreise in 2 Etappen:
🚵♂️ Distanz: 250 km
⬆️ Höhenmeter: ca. 1.000 m
⛰️Höchster Punkt: Toblach 1.240 m

Manche Ideen reifen im Kopf, manche entwickeln sich spontan: einmal von Heinfels bis ans Ufer des Gardasees radeln, das Ganze dann auch noch "Bloggerreise" nennen, damit es nach Konzept klingt und nicht nur nach "ich wollte einfach mal weit fahren".
Für meine erste Bloggerreise mit dem Fahrrad nach Riva del Garda war die Strecke ziemlich perfekt. Nicht zu kompliziert, aber lang genug, dass man abends genau weiß, warum Pizza erfunden wurde. Gefahren sind wir das Ganze in 2 Etappen, großteils über Radwege, mit ein paar überraschend coolen Abschnitten und einem Finale, das sich wirklich lohnt.
Die Route im Überblick
Abschnitt | Strecke | Höhenmeter | Charakter |
Heinfels bis Bozen | ca. 130 km | ca. 700 hm | abwechslungsreich, viele Radwege, kurze Schotterstücke |
Bozen bis Riva del Garda | ca. 120 km | knackiges Finale bei Torbole ca. 300 hm | lange Radwegpassagen, Hitze, Gardasee-Belohnung |
Rückfahrt Riva bis Rovereto | ca. 20 km | ca. 260 hm | bei Gegenwind deutlich „sportlicher“ als geplant |

Der große Pluspunkt: Die Strecke funktioniert für Bikepacking, Gravelbike und Mountainbike richtig gut. Mit dem Rennrad geht’s auch fein, nur bei kurzen Schotterstücken kann man entspannt auf die Straße ausweichen.
Etappe 1:Heinfels ➡️ Bozen
Die erste Etappe war direkt die große Portion: 130 km und ca. 700 hm von Heinfels bis Bozen. Klingt nach einem langen Tag, ist es auch. Aber die Strecke ist so abwechslungsreich, dass man nicht ständig auf den Radcomputer starrt und innerlich mit sich selbst verhandelt.

Der Radweg führt immer wieder durch richtig schöne Abschnitte, zwischendurch durch alte Tunnel, mal ruhig, mal überraschend flott, mal mit kleinen Ecken, bei denen man denkt: „Okay, damit hab ich jetzt nicht gerechnet.“ Genau diese Mischung macht die Etappe aus.
Ein paar kurze Abschnitte waren geschottert. Für Gravel und MTB völlig entspannt. Mit dem Rennrad würde ich dort je nach Reifen und Laune auf die Straße ausweichen. Man muss sich das Leben ja nicht schwerer machen, das erledigen die Kilometer später ohnehin von selbst.

Zwischenstopp in Bruneck
Bruneck war unser erster echter Zwischenstopp. Perfekt, um kurz runterzukommen und etwas zu trinken. Nach vielen Kilometern fühlt sich so ein Stopp ungefähr an wie ein Software-Update fürs Hirn, nur mit Kaffee statt WLAN.
Danach ging’s weiter Richtung Süden. Die Landschaft bleibt abwechslungsreich, und genau das hilft auf so einer langen Etappe. Kein stumpfes Kilometerfressen, sondern immer wieder neue Eindrücke.

Schnappschuss Mühlbacher Klause
Ein kurzer Stopp bei der Mühlbacher Klause musste sein. Nicht lang, nur für einen Schnappschuss. Aber der Ort liegt einfach so markant an der Strecke, dass Vorbeifahren fast frech gewesen wäre.

Weiter ging’s über Brixen Richtung Bozen. Brixen eignet sich gut für eine kleine Pause, auch wenn man bei einer langen Etappe irgendwann in diesen Modus kommt: anhalten, trinken, essen, wieder los, nicht zu viel nachdenken


Ankommen in Bozen
Bozen war dann das verdiente Etappenziel. Wir haben noch einen kleinen Abstecher in die Stadt gemacht und uns ein Gläschen gegönnt. Sehr wichtiger Teil der Regeneration, wissenschaftlich vielleicht diskutierbar, emotional aber eindeutig.

Übernachtet haben wir ca. 5 km außerhalb im Mele D’Ore. Für Biker war das richtig angenehm. Nach 130 km will man keine komplizierten Lösungen mehr, sondern einfach Rad abstellen, duschen, essen, schlafen. Genau das hat gepasst.
Etappe 2: Bozen ➡️ Riva del Garda

Am nächsten Morgen hieß es: aufraffen, Motivation einsammeln und wieder aufs Rad. Der Körper fragt kurz: „Echt jetzt?“ Und man antwortet: „Ja, aber schau, da vorne ist irgendwann der Gardasee.“
Von Bozen ging’s zuerst über einen gefühlt endlos langen Radweg immer geradeaus. 66 km bis Trient, sehr gut fahrbar, aber mental durchaus speziell. Wenn ein Radweg „immer geradeaus“ sagt, meint er das manchmal sehr ernst.

In Trient haben wir Kraft getankt. Das war auch nötig, denn danach wurde es heiß. Nicht angenehm warm, sondern eher „Backrohr mit Ober/Unterhitze“ heiß.
Von Trient weiter Richtung Gardasee

Nach Trient wartet der zweite Teil der Etappe, und der zieht sich bei Hitze ordentlich. Dafür wächst mit jedem Kilometer die Vorfreude. Der Gardasee, Riva del Garda und dieses typische Licht am Ende der Tour sind einfach starke Argumente, weiterzutreten.

Bei Torbole wird’s dann noch einmal kurz und knackig. Der Anstieg zum Passo S. Giovanni auf 287 m ist kein Alpenmonster, aber nach einem langen Tag und bei Hitze fühlt er sich durchaus ernst gemeint an. So ein kleiner finaler Charaktertest, als würde die Strecke sagen: „Na, hast noch was übrig?“
Hat man den Pass geschafft, wird’s richtig schön. Danach rollt man gemütlich hinunter nach Riva del Garda. Und dann ist er da: der See, die Berge, der Blick. Dieses Finale entschädigt ziemlich zuverlässig für müde Beine.

Ankommen in Riva del Garda

In Riva del Garda haben wir im Sun Lake Hotel übernachtet. Praktisch für Radreisende: Es gibt eine eigene Garage für Fahrräder. Das ist nach so einer Tour Gold wert, weil man sein Rad nicht irgendwo halb nervös im Hinterkopf parkt.
Das Frühstück war ebenfalls richtig gut. Und ja, nach zwei Etappen zählt ein gutes Frühstück fast schon als Sehenswürdigkeit.
Den Abend haben wir gemütlich im Zentrum von Riva ausklingen lassen. Kein großes Programm, einfach ankommen, essen, trinken, schauen, genießen. Mehr braucht’s eigentlich nicht.

Rückweg nach Rovereto mit Gegenwind

Am nächsten Morgen ging’s für uns nicht direkt heim, sondern noch einmal aufs Rad: ca. 20 km und 260 hm zurück nach Rovereto, um dort den Zug zu nehmen.
Klingt kurz. War mit starkem Gegenwind aber deutlich würziger als erwartet. Gegenwind ist ja bekanntlich der unsichtbare Trainingspartner, den niemand eingeladen hat.
Die Zugverbindung ab Rovereto war dafür top. Mit dem Euregio Ticket war das Ganze fast ein Schnäppchen. Gerade für solche Touren ist das super praktisch, weil man nicht zwingend eine große Rückreise-Logistik basteln muss.

Mein kurzes Fazit zur Tour
Heinfels bis Riva del Garda per Radweg ist eine richtig schöne Route, wenn man lange Tage am Rad mag und dafür mit viel Abwechslung belohnt werden will. Die erste Etappe bis Bozen ist lang, aber spannend. Die zweite Etappe bringt viel Geradeaus, Hitze, ein knackiges Finale bei Torbole und dann diesen herrlichen Roll-in nach Riva.
Meine Empfehlung: Für Gravelbike und Bikepacking passt die Strecke sehr gut. Mit dem Rennrad geht’s auch, wenn man bei kurzen Schotterstücken flexibel bleibt. Wer die Tour fährt, sollte genug trinken, Pausen ernst nehmen und sich mental auf lange, aber lohnende Kilometer einstellen.
Und ganz ehrlich: Wenn am Ende Riva del Garda wartet, tritt sich vieles leichter. Zumindest bis der Gegenwind nach Rovereto kommt.





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