Cimabanche-Cortina-Tre Croci-Misurina - kein Rückzieher. Nur noch Beine.
Aktualisiert: 7. Sept.
🚵♂️ Distanz: 100 km
⏱️ Fahrzeit: 5 h
⬆️ Höhenmeter: ca. 1.280 Hm
⛰️ Höchster Punkt: 1.812 m
➡️ Gesamte Strecke: Heinfels, Sillian, Innichen, Toblach, Höhlensteintal, Passo Cimabanche, Cortina d’Ampezzo, Passo Tre Croci, Misurina, Schluderbach, Toblach, Innichen, Sillian, Heinfels
🟢 Schwierigkeit: mittel bis anspruchsvoll

Diese Runde ist kein gemütlicher Kaffeeausflug, außer der Kaffee kommt in Trinkflaschen und schmeckt nach Elektrolyten. Sie verbindet Osttirol mit zwei großen Dolomiten-Klassikern: Passo Cimabanche und Passo Tre Croci. Dazu gibt es Seen, lange Täler, Cortina-Flair und genug Höhenmeter, damit die Beine am Abend beim Treppensteigen eine Beschwerde einreichen.
Der Start in Heinfels rollt Richtung Italien
Los geht es in Heinfels im Hochpustertal. Die ersten Kilometer führen über Sillian Richtung Staatsgrenze und weiter nach Innichen. Dieser Abschnitt ist ideal zum Einrollen, auch wenn „einrollen“ bei 100 km Tagesprogramm eher bedeutet: bitte nicht schon nach 20 Minuten glauben, man sei Felix Gall.
In Innichen lohnt sich ein kurzer Zwischenstopp bei Papin Sport Rent a Bike. Fahrrad checken, Reifenluft prüfen, kurz durchatmen. Wenn unterwegs jemand „Fahrradladen in der Nähe“ googeln müsste, ist er hier auf jeden Fall richtig. Ein paar Bar mehr im Reifen sind auf dieser Runde oft billiger als ein philosophisches Gespräch mit einem Platten am Straßenrand.
Danach geht es weiter nach Toblach. Der Verkehr kann je nach Saison spürbar sein, besonders in Ferienzeiten. Früh starten ist daher keine schlechte Idee.

Durch das Höhlensteintal zum Passo Cimabanche
Von Toblach führt die Strecke durch das Höhlensteintal Richtung Süden. Dieser Abschnitt ist einer der schönsten Teile der Runde. Links und rechts ragen die Dolomiten auf, der Blick geht unter anderem Richtung Drei Zinnen Gebiet.
Die Straße steigt über viele Kilometer moderat an. Das ist angenehm, aber tückisch. Genau solche Anstiege fühlen sich anfangs harmlos an und sammeln heimlich Höhenmeter.

Vorbei am Dürrensee geht es weiter Richtung Schluderbach und hinauf zum Passo Cimabanche. Der Pass liegt auf rund 1.530 m und verbindet Südtirol mit Venetien. Er ist fahrerisch kein brutaler Wandanstieg, eher ein langer Geduldsfilter. Wer hier nicht übertreibt, hat später mehr Freude.

Abfahrt nach Cortina d’Ampezzo
Vom Passo Cimabanche rollt die Strecke hinunter nach Cortina d’Ampezzo. Die Abfahrt ist landschaftlich stark und fahrerisch flott, aber nicht blind zu nehmen. Dolomitenstraßen liefern oft eine Mischung aus Kurven, Autos, Motorrädern, Reisebussen und Menschen, die plötzlich stehenbleiben, weil der Berg gerade fotogen schaut.

Cortina liegt auf etwa 1.200 m und ist der elegante Mittelpunkt der Runde. Hier kann man Wasser auffüllen, etwas essen oder einfach kurz schauen, wie andere Menschen aussehen, die nicht freiwillig mit dünnen Reifen über Pässe fahren.

Der Ort ist bekannt als Wintersport- und Bergsportzentrum. Für Rennradfahrer ist Cortina vor allem praktisch, weil von hier mehrere große Anstiege abzweigen. In dieser Runde wartet der nächste direkt: Passo Tre Croci.

Passo Tre Croci ist kurz, aber ehrlich
Der Anstieg von Cortina zum Passo Tre Croci ist der sportliche Kern der Tour. Der Pass liegt auf rund 1.809 m. Von Cortina aus sammelt man auf relativ kompakter Strecke ordentlich Höhenmeter. Genau deshalb ist Rennrad Tre Croci so beliebt: Der Anstieg ist nicht endlos, aber er verlangt sauberes Pacing.

Die Straße steigt in Abschnitten spürbar an, flacht zwischendurch etwas ab und zieht dann wieder an. Kein Monster, aber ein Charaktertest. Nach mittlerweile vielen Kilometern in den Beinen fühlt sich auch ein moderater Abschnitt plötzlich an, als hätte jemand heimlich Blei in die Trinkflasche gefüllt.

Oben am Pass ist der gröbste Kletterteil erledigt. Ein kurzer Moment zum Durchatmen lohnt sich. Nicht zu lange, sonst merken die Beine, dass sie theoretisch kündigen könnten.


Misurina bringt Postkartenblick und Rückweg
Vom Passo Tre Croci geht es weiter Richtung Misurina. Der Ort liegt am Lago di Misurina auf etwa 1.756 m. Das ist einer dieser Plätze, an denen sogar ein verschwitztes Trikot plötzlich nach Abenteuer aussieht und nicht mehr nach Waschmaschinen-Notfall.

Der See, die Berge und die hohe Lage machen Misurina zu einem der schönsten Punkte der Runde. Beim Radfahren Dolomiten bekommt man hier genau das, was auf den Fotos versprochen wird: klare Luft, große Kulisse, kleine Gänge.
Nach Misurina folgt die Abfahrt Richtung Schluderbach und zurück ins Höhlensteintal. Danach läuft die Strecke über Toblach, Innichen und Sillian zurück nach Heinfels. Klingt einfach, aber am Ende zählen auch die „flachen“ Kilometer. Rückenwind fühlt sich hier an wie ein Geschenk. Gegenwind wie ein persönlicher Kommentar des Universums.
Tipps für die Tour
Diese Tour lebt vom Rhythmus. Nicht zu hart starten, regelmäßig essen, genug trinken und die langen Abschnitte nicht unterschätzen. 100 km und 2. 270 Hm sind auch ohne epische Steigungsprozente ein voller Arbeitstag am Rad.
Praktisch sind:
Genug Wasser und Energie: zwei volle Trinkflaschen ab Start Riegel oder Gels für die langen Tal- und Passagen
Wettercheck: Windweste für die Abfahrten
Technische Reserven: Licht, rotes Rücklicht am Rad ist Pflicht, da man hauptsächlich auf der Straße fährt, genug Luftdruck, deshalb der Stopp bei Papin in Innichen

Die Runde Heinfels, Cimabanche, Cortina, Tre Croci, Misurina und zurück ist groß, schön und fordernd. Wer sie konstant fährt, bekommt eine der besten Dolomiten-Schleifen in der Region. Und wer am Ende in Heinfels vom Rad steigt und noch normal gehen kann, darf ruhig stolz sein. Oder sehr überzeugend so tun.
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